Sarepta Nazareth

 

 

WAS UNS IN DEN HILFEFELDERN HERAUSFORDERT

Reformbedarfe Sozialwirtschaft

Linda Bulthaup
Geschäftsführerin Altenhilfe

Diakonie und Sozialwirtschaft insgesamt sind großen gesellschaftlichen Herausforderungen und innenpolitischen Debatten ausgesetzt. Die Bundesregierung ist gefordert, angesichts des großen demographischen Wandels die sozialen Sicherungssysteme stabil und zukunftsfähig zu halten. Dabei sind die öffentlichen Haushalte wie auch die Sozialversicherungen erheblich belastet. Politische Lager streiten darüber, ob man am ehesten bei den gut Verdienenden, der breiten Masse der normal Verdienenden oder denen sparen sollte, die am Armutsende der Gesellschaft stehen. Gerechtigkeitsdebatten werden notwendigerweise geführt, sie bringen jedoch bisher keine Lösungen hervor. Krankenhäuser sind chronisch unterfinanziert, die Kosten vor allem der stationären Pflege werden zunehmend den Bürgerinnen und Bürgern zugemutet und wenn diese nicht mehr zahlen können, den Kommunen. Die gesellschaftlichen Entsolidarisierungsprozesse werden durch antidemokratische Parteien wie die AfD bewusst und mit Erfolg betrieben. Das wiederum lähmt die politische Suche nach guten Lösungen bzw. lenkt Diskussionen häufig in gänzlich falsche Richtungen.

Trotz von der Bundesregierung zugesagten Entbürokratisierungsmaßnahmen belasten fortschreitende Bürokratisierungstendenzen die Sozialwirtschaft. Obwohl in der Sozialwirtschaft erheblicher Geld- und Mitarbeitendenmangel herrscht, verdichten sich Kontroll- und Aufsichtsmaßnahmen von Pflegequalität zu baulichen Mindeststandards, von Arbeitssicherheit zu Nachhaltigkeitsvorschriften. Sie alle haben ihre Berechtigungen, müssen aber ohne Ausgleich des Aufwands von Diensten und Einrichtungen betrieben
werden und belasten Institutionen wie Mitarbeitende.

Fachkräftemangel

Der Mangel vor allem an Pflegefachkräften war im zurückliegenden Jahr und bleibt auch weiter eine sehr große Herausforderung. Tatsächlich teilen wir dieses Problem mit vielen Anbietern der Gesundheits- und Pflegeversorgung, was das Problem nicht einfacher macht. Maßnahmen der Bindung von Mitarbeitenden sowie attraktive und flexible Arbeitsbedingungen, gute Tariflöhne, die kirchliche Zusatzversorgung sowie weitere Vergünstigungen sind heute auf dem Markt der Gewinnung von Arbeitskräften wichtige Instrumente. Personalentwicklung und gute Aus-, Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten tragen dazu bei, Personalbedarfe zu steuern. Aufsichtsbehörden wachen nicht nur über die Qualität von Pflege und Wohnen, sondern auch über die hinreichende Besetzung von Fachkraft- und Pflegefachassistenzstellen. Es ist deutlicher denn je, dass Mangelsituationen, besonders in strukturschwachen Regionen, nur mit vereinten Kräften von Trägern, Kommunen und Aufsichtsbehörden bewältigt werden können.

Trotz der beschriebenen schwierigen Rahmenbedingungen und der Spannungen ist es uns in den zurückliegenden zwei Jahren gelungen, die Arbeitsfelder von stationärer und ambulanter Pflege, Hospizen und Jugendhilfe, Pflege und Hospizen weitgehend ausgeglichen zu betreiben. Hierzu haben viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit sehr viel Engagement beigetragen. DANKE!

Digitalisierungsprojekte

Die Einführung eines neuen Dokumentations- und Abrechnungssystems wird in nahezu allen Hilfefeldern und an den meisten Standorten der vBS Bethel umgesetzt. Dieses mit außerordentlich hohem Aufwand zu betreibende Projekt wird begleitet von der Einführung neuer Dienstplanungs- und Personalabrechnungssysteme, wie auch die gesamte Personalarbeit weiter digitalisiert wird. Langfristig werden diese Systeme den Aufwand der einzelnen Mitarbeitenden deutlich verringern und Prozesse vereinfachen. Bis dahin müssen entsprechende Programme weiterentwickelt, bedarfsgerecht ausgerichtet werden und benutzerfreundlich funktionieren. Da stehen vor allem unsere Mitarbeitenden und Führungskräfte vor großen Lernherausforderungen. Dass die bisherigen Einführungsprozesse weitgehend gut funktionieren und geräuschlos umgesetzt werden können, dafür betreiben viele Kolleginnen und Kollegen in Stäben und vor Ort in Einrichtungen und Diensten erheblichen Aufwand.

Überblick zu den Hilfefeldern
 
KI generiert
KI generiert
KI generiert

Besondere Entwicklungen

Eröffnung Haus Levi

Am 27. Mai 2026 durfte die Stiftung Sarepta einen besonderen Meilenstein feiern: die feierliche Eröffnung des Hauses Levi mit den Bereichen Levi und Levi Intensiv. Mit diesen beiden neuen Bereichen erweitert die Stiftung ihr Angebot für Menschen, die auf professionelle, zugewandte und verlässliche Unterstützung angewiesen sind – und setzt zugleich ein sichtbares Zeichen für moderne Pflege.

Schlüsselübergabe an Manuel Abel, 2. v. links

Das neue Gebäude bietet zeitgemäße, barrierefreie und liebevoll gestaltete Wohn- und Pflegebereiche sowie Raum für Begegnung, Teilhabe und individuelle Förderung. Besonders der Bereich Levi Intensiv setzt neue Maßstäbe in der Versorgung von Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf und Anforderungen der außerklinischen Intensivpflege.

Rund 120 Mitarbeitende gehören zum Team von Einrichtungsleiter Manuel Abel. Sie kommen aus unterschiedlichen pflegerischen Fachrichtungen und bringen vielfältige Spezialisierungen mit, sodass die Bewohnerinnen und Bewohner in allen Bereichen bestmöglich versorgt werden können.

Alle 80 Einzelzimmer des Hauses sind hell gestaltet, barrierefrei und vollständig rollstuhlgerecht. Jedes Zimmer verfügt über ein eigenes, individuell ausgestattetes Bad. Die Wohn- und Gemeinschaftsbereiche sind so angelegt, dass sie auch im Liegen mit dem Bett erreicht werden können. Auf jeder Etage steht zudem ein geschützter Außenbereich zur Verfügung – im Erdgeschoss in Form von Terrassen, in den oberen Etagen als großzügige Dachterrassen, die selbstständig genutzt werden können.

v. links: Pastor Bartolt Haase, Pastorin Andrea Wagner-Pinggéra, Thomas Pollmann, Dr. Simon Stark, Linda Bulthaup, Manuel Abel bei der Eröffnung von Haus Levi

Das Gebäude öffnet sich mit großen Fensterflächen zu allen Seiten und schafft so helle, freundliche Räume. Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach unterstützt die nachhaltige Energiegewinnung, während begrünte Fassaden dazu beitragen, die Aufheizung des Gebäudes zu reduzieren. Mit dem neuen Haus ist in Bielefeld-Eckardtsheim zudem etwas Einzigartiges für Bielefeld entstanden – oder besser gesagt: geblieben. Neben dem Bereich der Außerklinischen Intensivpflege und der jungen Pflege wird das Haus Levi nach heutigem Stand die einzige Einrichtung in Bielefeld sein, die über einen geschlossenen Bereich für Menschen mit Demenzerkrankungen verfügt. So negativ der Begriff „geschlossen“ in der öffentlichen Wahrnehmung manchmal besetzt sein mag, so segensreich und notwendig ist er für die Menschen, die besonderen Schutz und Sicherheit benötigen.

Mit der Entscheidung, weiterhin einen geschützten Bereich für Menschen mit besonderen Bedarfen und Herausforderungen anzubieten, stellt sich die Stiftung Sarepta bewusst einem deutlichen Trend vieler Träger entgegen – nicht nur in Bielefeld. Die Zeiten sind herausfordernd: Eine Einrichtung der Altenhilfe unter engen finanziellen Rahmenbedingungen und hohen administrativen Anforderungen zu betreiben, verlangt Ausdauer und Mut.
Qualifiziertes Personal für eine anspruchsvolle Klientel zu gewinnen, bleibt eine Aufgabe, die Engagement und Überzeugung erfordert. Doch die Stiftung Sarepta zeigt mit den Häusern Levi und Levi Intensiv klar: Wir wollen das – gerade in diesen Zeiten.

Wir danken an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich allen Menschen, die sich mit großem Engagement, Ausdauer, enormer Fachlichkeit und Leidenschaft eingebracht haben und so zur Entstehung und intensiven Begleitung der neuen Einrichtung beigetragen haben. Ein ganz besonderer Dank geht an die Geschwister-Braunert-Stiftung, die den Bau großzügig gefördert hat.

Ersatzneubau Boysenhaus

Aufgrund der im Boysenhaus Altenheim schon länger nicht erfüllbaren Anforderungen des Wohn- und Teilhabegesetzes NRW war die Altenhilfe OWL gGmbH aufgerufen, die Errichtung eines Ersatzneubaus für das Boysenhaus Altenheim zu prüfen, um eine drohende Schließung in Zukunft abzuwenden.

Im Februar dieses Jahres hat der Vorstand auf Empfehlung der Direktion den Ersatzneubau des Boysenhauses am Standort „Haus Ararat“ am Schlepperweg im Eckardtsheim beschlossen.

In diesem Ersatzneubau, nahe des aktuellen Standorts an der Verler Straße, soll das jetzige Boysenhaus sowie das Quellenhof Altenheim zusammengeführt werden. Das Quellenhof Altenheim in Gadderbaum entspricht derzeit zwar noch den Anforderungen des Wohn- und Teilhabegesetzes, ist jedoch aufgrund seiner Größe (30 Plätze) auf Dauer unwirtschaftlich und die Bausubstanz betreffend in den nächsten Jahren abgängig.

Noch stehen letzte behördliche Entscheidungen aus, um mit der konkreten Umsetzung des Projektes zu beginnen. Wir sind hoffnungsstur, dass wir das Vorhaben nun bald in die Tat umsetzen können.

Zu Beginn des kommenden Jahres 2027 freuen wir uns auf die Eröffnung einer weiten Tagespflege; diesmal mitten in der Ortschaft Bethel, nahe der Neuen Schmiede im frisch sanierten Haus Jaffa.


Linda Bulthaup
Direktion

<< zurück | Übersicht | vor >>

Stiftungen Sarepta und Nazareth
in den v. Bodelschwinghschen
Stiftungen Bethel
Nazarethweg 5
33617 Bielefeld

Tel: +49 521 144-2229 / 144-2687
E-Mail: direktion@bethel.de

Die v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel sind wegen Förderung mildtätiger, kirchlicher und als besonders förderungswürdig
anerkannter gemeinnütziger Zwecke nach dem Freistellungsbescheid bzw. nach der Anlage zum Körperschaftsteuerbescheid des
Finanzamtes Bielefeld-Außenstadt, St. Nr. 349/5995/0015, vom 14.03.2025 für den letzten Veranlagungszeitraum nach
§ 5 Abs. 1 Nr. 9 des Körperschaftsteuergesetzes von der Körperschaftsteuer und nach § 3 Nr. 6 des Gewerbesteuergesetzes von der
Gewerbesteuer befreit. Es wird bestätigt, dass die Zuwendung nur zur Förderung mildtätiger, kirchlicher und als besonders förderungswürdig
anerkannter gemeinnütziger Zwecke verwendet wird.
 
© 2026 v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel