Vorsitzender der Direktion
Vorwort
Liebe Schwestern und Brüder,
liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,
liebe Freundinnen und Freunde,
in den Atemlosigkeiten unserer dynamischen Welt ist die Zwischenetappe eines Jahresberichts eine willkommene Gelegenheit des Innehaltens, der Rückschau, der Reflexion und der Aussicht auf bevorstehende Aufgaben und Herausforderungen.
Wie gewohnt nehmen wir Sie und Euch mit in die Arbeit in den Stiftungen Sarepta und Nazareth mit ihren sehr unterschiedlichen Arbeitsfeldern der Pflege, der Pädagogik und Beratung, der Bildungsarbeit und dem Leben in unseren Gemeinschaften. Wir freuen uns, Ihnen von manchen Erfolgen und Errungenschaften berichten zu können. Wir berichten Ihnen auch von Problemen und Herausforderungen, in denen wir unterwegs sind oder die sich uns in nächster Zeit in den Weg stellen.
Herausfordernd waren die Zeiten schon immer, in Sarepta, in Nazareth, in Bethel, in Kirche, Diakonie und Gesellschaft. Wir müssen aber konstatieren, dass die Dynamik gesellschaftlicher Veränderungsprozesse und damit auch die Spannungen im Kleinen und Alltäglichen bei uns, als auch im gesellschaftlichen Miteinander in Deutschland, wie in der Welt deutlich zunehmen. Umweltkatastrophen, Klimaveränderungen, die sich bei vielen ausbreitende Armut und dem gleichzeitig eklatant zunehmenden Reichtum Weniger, Druck auf die sozialen Sicherungssysteme und Kriege in unmittelbarer Nachbarschaft und an vielen Stellen der Erde – allesamt entfalten sie ihre unmittelbaren Wirkungen, auch in unserer Arbeit.
Wir blicken mit großer Dankbarkeit auf die Verbindlichkeit und Verbundenheit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Tag für Tag gehen sie den großen Aufgaben und Herausforderungen in unseren Arbeitsfeldern nach, sie pflegen und beraten, bilden und stärken, sie ermutigen und trösten. Nichts geht in diesen Zeiten fraglos und leicht aus der Hand, umso mehr braucht es das Durchhalten und Durchtragen aller.
Danke an die Kolleginnen und Kollegen in allen Bereichen und Arbeitsfeldern, dass sie dieser Arbeit nachgehen, zum Wohle der Menschen und zum Wohle unserer Stiftungen. Danke an die Interessensvertretungen der Mitarbeitenden und Leitenden, die beraten und sich einsetzen und viele Prozesse des Wandels aktiv mitgestalten und -tragen.
Die Jahreslosung, die uns in diesem Jahr 2026 begleitet, zeigt uns eines der großen Versprechen der Bibel. Sie stammt aus dem letzten Buch der Bibel, dem Buch der Offenbarung, dem vorletzten 21. Kapitel. Allerletzte und wichtige Worte dieses großen und bedeutenden Buches der Christenheit. Der oder die Autoren dieses Buches denken zum Abschluss einmal alles zu Ende. Sie erträumen, ersehnen, hoffen und visionieren, wie es einmal werden soll, mit dieser Schöpfung, mit den Menschen und mit Gott. Wenn Mann oder Frau die Bibel einmal von vorne bis hinten liest, wenn Mann oder Frau den vielen Ideen und Geschichten zu Gott und den Menschen folgt, dann bleibt am Ende des Buches nur noch die Frage offen, wie es denn wohl in Zukunft werden soll – mit uns Menschen, mit der Schöpfung und mit Gott. Die Offenbarung spannt einen großen Bogen: „Ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde“. In der zukünftigen Welt wohnt Gott bei den Menschen, dann kann Gott und die Menschen nichts mehr trennen. Niemand muss mehr leiden, Schmerzen ertragen oder weinen. Niemand muss mehr Kriege führen oder Armut und Hunger fürchten – alles wird anders, alles wird neu – und ja, alles wird gut.
Es braucht in den aufgeregten Zeiten, es braucht in den Verwirrnissen unserer Tage große Würfe, um die Kleinlichkeiten im Denken und Handeln zu überwinden. Was ist wirklich wichtig im Leben? „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“ (Micha 6,8)
So versuchen wir in Kirche und Diakonie zu handeln – solidarisch, mitfühlend, gemeinschaftsstiftend und hoffnungsstur. Dabei ist und bleibt es mit diesen Grundsätzen unvereinbar, wenn Lebensrechte anderer Menschen eingeschränkt werden sollen, wenn Interessenausgleich und Demokratie in Frage gestellt werden, wenn Egoismen und Eigennutz höhergestellt werden als das (Über-)Lebensrecht geflüchteter Menschen. Alles neu in Gottes Sinne ist ein gänzlich anderes Neu als das, was wir in AfD-Parteiprogrammen lesen. Klare Kante gegen Rassismus, Diskriminierung und Ausgrenzung, gegen Propaganda und Falschbehauptungen, gegen Demokratiefeindlichkeit und gegen Nationalismus!
Alles neu im Sinne der Jahreslosung liegt in Gottes Hand – zum Glück. In unserer Hand aber liegt es, Wege zu bereiten, dass sich das Neue von Gott Bahn brechen kann, Raum nehmen darf in unserem Leben und im Alltag unserer Arbeit. Daran wollen wir auch weiterhin inspiriert, ermutigt und engagiert arbeiten!
Einladung zum Gespräch
Wie in jedem Jahr laden wir interessierte Schwestern und Brüder der Stiftungen Sarepta Schwesternschaft und der Diakonischen Gemeinschaft Nazareth ein, mit uns zu diesem Jahresbericht ins Gespräch zu kommen. Hierzu verpflichten uns die Satzungen unserer Stiftung und wir nehmen diesen Auftrag außerordentlich gerne wahr, weil uns Resonanzen und Rückmeldungen interessieren, weil uns das gemeinsame und gemeinschaftliche Ringen um gute Antworten wichtig ist und weil wir uns in gemeinsamer Verantwortung für unsere Stiftungen sehen.
Erstmals laden wir auch die Mitarbeitenden und die Mitarbeitervertretungen unserer Stiftungen zu diesem „Nachgespräch“ ein und würden uns über Fragen, Hinweise und Beiträge freuen. Was waren Ihre „Highlights“ des Jahres? Was hat Sie herausgefordert? Und an welchen Themen sollten wir miteinander weiterarbeiten?
Herzliche Einladung also zum Nachgespräch zum Jahresbericht am 8. November 2026 um 15:00 Uhr im Festsaal im Haus Nazareth.
Im Namen der Direktion und mit herzlich verbundenen Grüßen
Diakon Wolfgang Roos
Vorsitzender der Direktion
